Didaktisches Coaching
Konzept

Praxisfelder

Methoden

Situationen

Kontexte

Kontakt

 

 

Beratungsgespräche

  ... sind selbstverständlich Dialoge. Dialoge gewissermaßen auf gleicher Augenhöhe; jedenfalls dem Anspruch nach. Sie sollten insbesondere offen, unvoreingenommen und zwanglos geführt werden können. Im Unterschied zu jenen Gesprächen und Überlegungen, bei denen die Handelnden eben nicht hinreichend entspannt, gelöst, gelassen, unabhängig und auch selbstdistanziert mit ihrem Können und Wissen umzugehen vermögen. Kurz – es sollten Gespräche sein, die bestimmten argumentativen Ansprüchen genügen. (Die klassische Lehrprobe ist also nicht unbedingt das Musterbeispiel eines didaktischen Beratungsgesprächs. Denn hier wird, notwendigerweise, die Beratung mit einer Beurteilung verknüpft. Was Argumentationen über Qualifikationen natürlich keineswegs ausschließt; im Gegenteil!)

Ein wesentliches Ziel der didaktischen Beratung und Begleitung sollte die Förderung der Autonomie der didaktischen Praxis der unterrichtenden Person sein. Autonomie – innerhalb des (schulischen oder des beruflichen) Bildungssystems? Genau das, wenn man von einem leidlich vernünftigen Begriff der Autonomie des eigenen Handelns ausgeht. Autonom ist ja nicht, wer zu tun scheint, was er nur einfach so will. Autonom ist (und wird), wer in den Situationen, in denen er selbst zuständig und verantwortlich ist, verständlich, verständig und vernünftig handeln, reden und denken kann. Der also auch weiß, wie er tut, was er tut.

Beratungsgespräche sind aber alles andere als trockene Argumentationen. Intelligente Argumentationen sind ja auch nie einfach nur trocken. Schon deshalb nicht, weil sie nicht selten zu neuen Erkenntnissen von Sachverhalten und zu neuen Verständnissen von Situationen führen. Sie sind nur einfach mehr und anderes als unverbindliche, weil wenig folgenreiche Wechselreden übers Unterrichten und Lehren. (Vom Psychologisieren aus Betroffenheit heraus ganz zu schweigen...)

Das, worum es bei der didaktischen Beratung geht, kann ja auf sehr unterschiedliche Weise vergegenwärtigt werden:  

-           als mündliche oder schriftlich erinnerte Geschichte

-           in Form von Notizen von Beobachtern oder Beteiligten

-           als mehr oder weniger schematisiertes Beobachtungsprotokoll

-           als Ton- oder Videodokument

-           als eine szenisch nachgestellte Situation

-           als Dokument einer Expertise

usw.

Dabei spielt Teilnehmende Beobachtung sicher immer eine wesentliche Rolle. Aber sie ist keine zwingende Voraussetzung der didaktischen Beratung. Aus wie auch immer gefärbten Geschichten lässt sich in aller Regel auch erschließen, wie jemand seinen Unterricht wahrnimmt, versteht und begreift und welches didaktische und fachliche Können und Wissen sein Handeln bestimmt. Und selbstverständlich bilden zum Beispiel Video-, Ton- und Textdokumente des Unterrichts erst recht auch eine Grundlage für das Beratungsgespräch.

Selbstverständlich spielen in den Beratungssituationen auch nicht-argumentative Szenarien eine Rolle. Die Spielräume des Handelns lassen sich ja auch anders wahrnehmen – und erkennen. Das Gedankenexperiment des Was-wäre-wenn hat einen erheblichen Stellenwert. Es zeigt das, was der Fall ist, in einer weiteren Perspektive. (Von dieser Technik der Interpretation und der Antizipation von Situationen machen ja Unterrichtende oft bei der Unterrichtsplanung Gebrauch.) Keinen geringen Stellenwert haben, nicht nur in dieser Hinsicht, auch Simulationen von didaktischen Situationen und Handlungen. Sie erweitern, fast wie von selbst, die Spielräume der didaktischen Reflexion; denn sie regen zum Nachdenken über die Motive, die Gründe des eigenen Tuns an. Und, das ist wichtiger, sie ermöglichen die Erfahrung, dass mehr und anderes geht, als man selbst zunächst dachte. (Eine Technik, die in fachdidaktischen Seminaren weit über jenes schlechte Theoretisieren hinaus reicht, das es beim abstrakten Beschreibens des didaktisch Sinnvollen und Zweckmäßigen belässt.) Lautes Denken ist auch dabei im Spiel; aber nicht nur dabei. Denn in gewisser Weise bedeutet ja die ausdrückliche sprachliche Artikulation dessen, was einem durch den Kopf geht, während man eine bestimmte Handlung darstellt oder nachstellt, wahrnimmt, beobachtet, beschreibt und beurteilt, auch ein anderes, ein tieferes Verständnis der eigenen Praxis.

Didaktisch intendierte Beratungen haben die Form von Dialogen. Und alle Dialoge schließen unterschiedliche Perspektiven und Interessen ein. Teilnehmende teilen nicht einfach die Standpunkte und Gesichtspunkte von Beobachtern; Beobachter nicht eben die von Betroffenen. Was für den Berater zählt, muss für den Mentor nicht dasselbe sein. Aber auch das schließt das Argumentieren mit überzeugenden Gründen keineswegs aus. Schon unterschiedliche Verständnisse und Einschätzungen der didaktischen Situationen und Handlungen wären nicht einmal verständlich zu machen, wenn man aufs Argumentieren verzichten würde.

Die Beratungsgespräche thematisieren unterrichtliches Handeln, Können und Wissen selbstverständlich unter unterschiedllichen Aspekten.