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Beratungsgespräche ... sind Dialoge:

 

... Und als Sie dann dieses Humboldt-Zitat diskutieren ließen: Die Sprache ist das bildende Organ des Gedanken - da kamen Sie mir fast leicht irriiert vor, als eine ihrer Schülerinnen gleich bemerkte, das sehe sie aber anders. Und als andere ihr dann beipflichteten, da ließen Sie das Unterrichtsgespräch einfach weitergehen.

Das stimmt. Weil ich dachte: endlich kommt mal ne Diskussion zustande. Ein Thema, dass sie anzusprechen scheint, Sprache und Denken und so.

Und - war´s für Sie ne Diskusson? Ist argumentiert worden? Mein Eindruck war eher, dass Sie kurz davor waren, strukturierend einzugreifen. Sie traten ein paar Schritte vor - und zogen sich dann wieder ein wenig zurück.

Ja. Ich dachte: Lass es mal laufen. Mal sehn, wie´s weiter geht.

Den Eindruck hatte auch ich. Und was ging Ihnen da durch den Kopf?

Na ja. Ich weiß eher, was mir im Nachhinein durch den Kopf ging: Mir waren die eigentlich allzu schnell mit kritischen Bemerkungen zur Hand: Stimmt. Stimmt nicht. Dieser Humboldt hat irgendwie nicht recht. Und so weiter. Und so weiter. Da fehlte mir, würde ich jetzt im Nachhinein feststellen wollen, da fehlte mir was. Begründungen der eigenen Behauptungen.

Hm. Und?

Und noch was viel Wichtigeres. Mir fällt immer wieder auf, wie schnell die mit kritischen Urteilen bei der Hand sind, wenn es darum geht, Äußerungen und Texte anderer zu verstehen.

So als ob das Verständnis eh schon klar sei? Und alles auf die eigene Stellungnahme ankomme?

Genau das.

Das heißt?

Das heißt: Man muss sie dazu anregen, erst mal zu sagen, wie sie verstehen, wozu sie Stellung nehmen wollen!

Und wie?

Indem man sie auffordert, mitzuteilen, wie sie den Satz verstehen, um den es geht. Den Inhalt des Satzes mit den eigenen Worten wiedergeben lassen, und so.

Also lange, um nicht zu sagen: weitschweifige Erläuterungen zum Beispiel dieses Humboldt-Zitats?

Nein. Nicht unbedingt. Eher so was wie die berühmten sinngebundenen Ersatzproben: Die Sprache ist das Organ, das den Gedanken bildet, ihn formt - und so. Fast wie Satzgrammatik in der Mittelstufe. Nur mit dem Unterschied, dass sie dabei ausdrücklich sagen, wie sie den Satz verstehen, zu dem sie dann Stellung nehmen können sollen.

Und - Sie werden´s so machen?

Ehm - ich denke schon. Ein bißchen mehr Herausforderung, etwas mehr Konfrontation, das wär´s vielleicht.

Ein typisches, ein exemplarisches Beratungsgespräch? In jedem Fall eines, das zeigt, wie das gemeinsame Nachdenken Momente des Unterrichtsgeschehens so zur Sprache kommen lassen kann, dass in künftigen Situationen vielleicht anders, vielleicht produktiver gehandelt werden wird. Ein sprachdidaktisch wie sprachtheoretisch übrigens paradigmatischer Fall: Text- und sprachanalytisches Argumentierenkönnen zu lehren, ist ein wesentliches, ein kerncurriculares Ziel des Unterrichts der weiterführenden Schulen. Nur wer das gelernt hat, vermag zwischen der Sprache und dem Denken anderer und dem eigenen Denken und der eigenen Sprache eine Brücke zu schlagen. (Und Humboldts Sprachtheorie* vermittelt gute Gründe dafür, wieso das so ist.)

* Trabant. J.: Traditionen Humboldts. Frankfurt am Main 1990.