Didaktisches Coaching
Konzept

Praxisfelder

Methoden

Situationen

Kontexte

Kontakt

 

Die Darstellung und Reflexion

... didaktischer Prozesse setzt einen gewissen Standard didaktischer Argumentation und didaktischer Begriffsbildung voraus. Vieles hängt ja auch beim Coaching davon ab, wie wir didaktisches Handeln verstehen und verständlich machen - und was für eine Sprache wir dabei sprechen. Gerade beim Verstehen und Erklären* des Unterrichtens wird aber nicht selten auf Konzepte Bezug genommen, die sich ausgemacht heterogenen Theorietraditionen und Begriffswelten verdanken - wie sehr sie auch gerade beim Philosophieren übers Coaching Konjunktur haben mögen.

Netzwerkartige Darstellungen etwa der typischen Unterrichtssituation legen ja ein Verständnis, eine Erkenntnis der komplexen Wechselwirkungszusammmenhänge zwischen den Bedingungen und den Intentionen des didaktischen Handelns in den konkreten Situationen nahe - aber inwiefern erklären sie sie auch? Und wann, zum Beispiel, stellt ein Verweis auf die besonderen Umstände eines Unterrichtsversuchs eine überzeugende Erklärung der Folgen des Handelns der unterrichtenden Person dar?

Und sprachliche Kennzeichnungen der Beratungssituation (auch die hier verwendeten) scheinen ja für begriffliche Verständlichkeit zu sprechen. Nur - was genau ist gemeint, wenn es heißt, dass Beratungsgespräche problem-, situations-, prozess-, handlungs-, konzept-, kompetenz- und qualifikationsbezogen geführt werden können sollen? Was macht ein angemessenes begriffliches Vokabular aus?

Alles in allem wird man bei der Darstellung und Reflexion des didaktischen Handelns beim gegenwärtigen Stand der Dinge in Sachen Unterrichtsforschung von überzogenen, wenn nicht sogar unangemessenen Verständnisansprüchen erst einmal Abschied nehmen - und sich fürs Erste an mehr oder weniger schlichten Maximen der Argumentation und der Unterscheidung orientieren müssen:

1. Bei der Darstellung und Klärung der Verständnisse der Situationen und des Handelns sollte zwischen verschiedenen Perspektiven und Interessen unterschieden werden.

2. Es sollte argumentiert werden - und das eben mit Bezug auf die unterschiedlichen Daten des zurückliegenden Unterrichtsgeschehens.

3. Die Argumentationen sollten auf das abstellen, was das Handeln der unterrichtenden Person bestimmt: ihre Intentionen, ihre Konzepte, ihr Wissen und ihr Können, ihre Kompetenzen und ihre Qualifikationen.

4. Die Beobachtungen, Beschreibungen, Beurteilungen und Bewertungen des didaktischen Handelns sollten sich einer gemeinsamen Sprache, eines gemeinsamen Vokabulars bedienen.

5. Das Ziel sollte eine begründete, eine überzeugende Einschätzung und Beurteilung der didaktischen Situationen, Handlungen und Äußerungen sein. Und die sollte verständnisfördernd und perspektivenerweiternd sein.

* von Wright, G. H.: Erklären und Verstehen. Berlin 2000 (dt. 4. Aufl.; Original New York 1971): nach wie vor ein Klassiker der Theorie der Erklärung in den Geschichts- und Sozialwissenschaften.