Didaktisches Coaching
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Gedankenexperimente

 ... spielen wir durch, wenn wir über vergangene oder zukünftige Situationen nachdenken. Wir denken uns dabei Szenarien eines Was-wäre-(gewesen-), wenn... Das, was der Fall gewesen ist oder was der Fall sein wird, stellen wir uns als die eine oder andere derjenigen Möglichkeiten vor, die wir vielleicht auch gehabt hätten oder vielleicht auch haben werden. In welchen möglichen Welten wir uns dabei zu bewegen wissen, hängt ab von unserer Intelligenz und unserer Phantasie.

Im Alltag und in der Wissenschaft sind Gedankenexperimente von Bedeutung. Philosophen und andere Geisteswissenschaftler schätzen sie besonders. Sie stellen sie zum Beispiel dann an, wenn sie gewisse Selbstverständlichkeiten des Denkens, Redens und Handelns für fragwürdig halten: Was, zum Beispiel, würde aus dem Denken, dem Lernen, Behalten, Erinnern, wenn es keine Notationstechniken, keine Schriftsysteme gäbe? Was wäre (gewesen), wenn diese oder jene soziale Welt ohne die Sprache und ohne die Schrift hätte auskommen müssen? Und was würde, was wird sein, wenn kleine Kinder außerhalb symbolischer Umwelten aufwachsen würden? - Bekannt geworden sind Gedankenexperimente wie jenes, das darauf abstellt, menschliches Verstehen, Denken und Erkennen probeweise in computeranalogen Bildern geistiger Vorgänge verständlich zu machen: Können also Computer denken?

Gedankenexperimente machen gerade auch didaktisch Sinn; in der wissenschaftlichen Lehre wie im schulischen Unterricht. Das Problem, wieviel Grammatik ein Grundschulkind brauche, zum Beispiel, läßt sich im Seminar gut diskutieren. Aber tragen da veranstaltungsinterne Referate zur verschiedenen Standpunkten im gleichen Maß zur Auseinandersetzung mit dem Problem bei wie hypothetische Szenarien des Unterrichtsalltags, etwa die fingierte Konfrontation mit der Situation der Darstellung des eigenen grammatikdidaktischen Konzepts anläßlich eines Elternabends? Erfahrungsgemäß bewirkt das inszenierte Und-was-wäre-wenn im konkreten, voraussehbar professionsspezifischen Fall eine sehr viel intensivere Beschäftigung mit, was man schon zu wissen meinte, und dem, was man für wissenswert hält.

Gedankenexperimente haben etwas Poetisches: Man denkt sich mögliche Welten aus, die einen die tatsächliche Welt mit anderen Augen sehen zu lernen.* Eben deshalb sind sie beim didaktischen Coaching unerläßlich. Die Erkenntnis, dass es manchmal andere Spielräume des unterrichtlichen Handelns gibt, als man bislang dachte, kann etwas sehr Befreiendes haben.

* N. Goodman, Weisen der Welterzeugung. Frankfurt am Main 1984: "Wir sprechen nicht von vielen möglichen Alternativen zu einer einzigen wirklichen Welt, sondern von einer Vielheit wirklicher Welten"; von der "Vielfalt von Versionen und Sichtweisen" ihrer Darstellung. (a.a.O. 14f)