Didaktisches Coaching
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Geschichten

... geben unseren Erfahrungen und Erkenntnissen, unseren Wahrnehmungen und Deutungen eine Gestalt. Wir sind gewissermaßen in Geschichten verstrickt.* Mit der beim verspäteten Mittagessen aufgetischten Geschichte von der Musikstunde (es ging da um die Einführung der Notenschrift) vergegenwärtigt die Lehrerin ihr didaktisches Handeln in einer konkret, einer anschaulich erinnerbaren Form. In der Form einer Erzählung, die die Erinnerung und damit auch die Erwartung strukturiert. (Sie erinnern sich vielleicht daran, wie sie sich schon während der ersten Großen Pause Geschichten erzählend über die eben zu Ende gegangene Unterrichtsstunde austauschen: genau damit machen Sie sich einen Vers auf das, was Ihnen da widerfahren ist und was Sie getan haben.)

Didaktische Geschichten zeigen, wie eine Lehrerin oder ein Lehrer mit den Situationen, den Aufgaben und den Problemen des didaktischen Handelns zurechtzukommen versucht. Wie die Person das Geschehen, seine Umstände, seine Bedingungen und Folgen und insbesondere die Spielräume des eigenen Handelns und Verstehens wahrnimmt. Eben deshalb eignen sie sich auch besonders gut zur Vergegenwärtigung des interpretativen Bezugsrahmens dieser Person; insbesondere der das unterrichtliche Handeln, Können und Wissen bestimmenden Ansichten, Einsichten und Überzeugungen.

Dass dabei die gleiche didaktische Situation von einem anderen Standpunkt aus (zum Beispiel dem der Fachleiterin, zum Beispiel dem eines teilnehmenden Beobachters) in einer anderen Perspektive mit anderen Unterscheidungen und Wertungen dargestellt werden kann, macht keinen Nachteil, sondern im Gegenteil einen Vorteil der Bezugnahme auf Unterrichtsgeschichten aus. Zeigt sich doch gerade dabei, dass auch Unterrichtende schon die Freiheit haben, manche Dinge anders sehen zu können.

Allerdings muss das nicht unbedingt der Fall sein. Die Art und Weise etwa, wie sich Walter Kempowskis zahlreiche gewesene Schülerinnen und Schüler (Immmer so durchgemogelt. Man war doch keine Blechplatte...) an ihre Schulzeit erinnern, hat stellenweise eher etwas sehr nachdenklich Machendes. Zeigt doch die eine oder andere Erzählung, dass noch Jahrzehnte später die eigene Schul-, Lern- und Bildungsgeschichte unverstandenen bleibt, weil sie sich nicht von der Sicht der Dinge der Autoritäten von damals zu lösen vermag: In Musik war ich immer schon eine Niete. Das hatte schon meine Lehrerin im ersten Schuljahr festgestellt...

* Schapp, W.: In Geschichten verstrickt. Zum Sein von Mensch und Ding. Hamburg 1953. (4. Neuauflage: Frankfurt am Main 2004.)