Didaktisches Coaching
Konzept

Praxisfelder

Methoden

Situationen

Kontexte

Kontakt

 
Im Zoo

"Und als wir da bei den Giraffen standen, da sagten wir dem Jungen, dass diese Tiere Giraffen sind. Und dass sie keine Flügel haben und vier Beine und dass sie so groß sind, dass sie das frische Grün von den Bäumen fressen können. Und damit er sich wirklich einen Begriff davon machen konnte, was eine Giraffe ist, nahmen wir ihn beiseite, und erklärten ihm:

Das sind keine Affen; obwohl dir beiden Wörter verwandt sind, Giraffe und Affe. Giraffen - das sind: 1. Lebewesen, 2. Säuger, 3. Tiere (und keine Menschen), 4. Wilddtiere, 5. Pflanzenfresser (aber stimmte das?), die 6. in bestimmten Gegenden Afrikas leben und 7. bestimmte natürliche Feinde haben.

Aber - er schien nichts zu verstehen. Geschweige denn, zu behalten. Sondern wandte sich einem gleichaltrigen fremden Mädchen zu und meinte: Auf so einer Geraffe reiten, puh. Und beobachtete sie weiter. Typisch, dachten wir, Kinder taugen noch nicht zum begrifflichen Denken."

Ein vierjähriges Kind im Kölner Zoo. Es studiert die Giraffen. Studiert? Ja - es beobachtet sie. Es sieht, wie andere sie beobachten. Es lernt, wie andere sie beschreiben. Es wird wissen, wie Giraffen aussehen, wie sie sich bewegen, ernähren, verständigen - und wie sie denken. Denken? Auch das, sicher; denn das Kind entwickelt eine erste, eine naive Theorie des Bewußtseins, der intentionalen Zustände von Lebewesen, die Personen ähneln. Es eignet sich mehr und mehr ein Wissen über die äußere, die soziale und die innere Welt an. Keine Frage - die Wege, die Weisen, die Formen, die Medien (und die Entwicklung und Förderung) der Aneignung der objektiven, der sozialen und der subjektiven Welt sollte kennen, wer das das Lernen verstehen und beeinflussen will. Sei es in der Vorschule, in der Grundschule, den Weiterführenden Schulen und in der Hochschule.  

Sobald aus dem eher spontanen Selbstlernen ein Lernen durch Lehren wird, kommt seitens der Unterrichtenden ein praktisches, ein methodisches, ein didaktisches und ein theoretisches Können und Wissen ins Spiel. Und das muss auch so sein; denn ohne so ein Wissen kommt man bei der Wahrnehmung, Beobachtung, Beschreibung, Beurteilung und Förderung des Könnens und Wissens Lernender nicht weiter.

Das Problemfeld

Didaktische Coachings sollen die Entwicklung der Kompetenzen und Qualifikationen derer begleiten und fördern können, deren Profession das Lernen durch Lehren, das Unterrichten ausmacht. Sie haben mit jenem Können und Wissen zu tun, das ein Kerncurriculum der Lehrerbildung vermittelt hat (oder vermittelt haben sollte). Was sind, was wären die Kernkompetenzen?

Es sind nicht zuletzt etwa jene, die das pragmatische, das didaktische und das theoretische Verständnis für die Entwicklung, die Aneignung, die Diagnose und die Förderung des praktischen und des begrifflichen Wissens über die soziale, die innere und die äußere Welt betreffen. Eine gewisse berufsbefähigende Kernkompetenz hätte so gesehen etwa diejenige (sagen wir: in einer Vorschule) unterrichtende Person, die zum Beispiel in der Lage wäre, die eben zitierte Theorie der Begriffsbildung als eine, wenngleich traditions- und eben auch deshalb alltagstheoretisch bis heute folgenreiche fixe Idee begrifflichen Denkens darzustellen und sie mit jener Praxis begrifflichen Denkens zu kontrastieren, die der kleine Junge dem fremden Mädchen gegenüber zu artikulieren anfängt.*

So ein Kerncurriculum der Aus-, Fort- und Weiterbildung an Schulen Unterrichtender stellt, eher technisch gesprochen, auf die Professionalisierung des pragmatischen, des methodischen, des (fach)didaktischen und des theoretischen Könnens und Wissens ab. Pragmatisch kompetent arbeitet, wer sein unterrichtliches Tun intelligent und kreativ zu gestalten, zu durchdenken und zu planen vermag. Methodisch kompetent handelt und denkt, wer die Schritte und Wege seines unterrichtlichen Tuns durchdenken und begründen kann. Didaktisch kompetent denkt und handelt, wer gekonnt über wissenschaftliche Konzepte und Modelle der Aneignung und Förderung fachlichen (und Fächer übergreifenden) Wissens verfügt. Und theoretische Kompetenz hat, wer die wissenschaftlichen Inhalte, die Gegenstände seiner beruflichen Profession kennt, versteht und verständlich machen kann.

Das betrifft alle Institutionen des Lernens, die Vorschule so gut wie die Schulen, die allgemeine Bildung so sehr wie die berufliche Bildung. Professionelle Kompetenz ist überall dort gefragt und zu fördern.

* In dieser Hinsicht nicht nur der Entwicklungsforschung neue Perspektiven eröffnend: Tomasello, M.: Die kulturelle Entwicklung des menschlichen Denkens. Frankfurt am Main 2002. (Zum Beispiel Kap. 3: Sprachliche Kommunikation und symbolische Repräsentation.)