Didaktisches Coaching
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Die Videoanalyse

 ... kann die Kunst der retrospektiven und der prospektiven Wahrnehmung des Unterrichtens in mehrfacher Hinsicht fördern. Das schon deshalb, weil die verlangsamte Wahrnehmung des eigenen unterrichtlichen Handelns im Nachhinein mehr Nachdenken ermöglicht und mehr Selbstdistanz zulassen kann.  Man sieht sich selbst denn eben doch ein wenig mehr mit anderen Augen. Und zwar besonders dann, wenn es um für einen selbst oder für einen (anderen) Beobachter um so etwas wie Schlüsselstellen im Ablauf des Unterrichtsgeschehens geht.

Mit Videoanalysen läßt sich darüber hinaus aber auch durchaus noch produktiver verfahren. Zum Beispiel dann, wenn man bei einer sequentiellen Analyse auf didaktisch gesehen exemplarische Unterschiede zwischen dem erinnerten und dem beobachteten Handeln abstellt. Das gedankenexperimentelle Setting dieser Variante gleicht ein wenig dem What-Happens-Next-Szenario der Kinderfernsehsendung Sesamstraße: bevor der nächste Zug des unterrichtlichen Handelns im Bild gezeigt wird, stellt die Person dar, wie sie sich an diesen Zug erinnert. Manchmal unterscheidet sich dabei das sprachlich erinnerte Geschehen denn doch deutlich von dem im Bild gezeigten - eine Beobachtung, die zu weiteren, sehr viel differenzierten Rekonstruktionen des didaktischen Könnens und Wissens anregen kann. Und die dazu führen kann, dass gewisse Selbstverständlichkeiten des eigenen Tuns bewusster wahrgenommen und anders gesehen werden können.

Eine weitere methodische Variante der Videoanalyse ist die, an Schlüsselstellen des Unterrichtsgeschehens das tatsächliche Handeln im Kontext der vorstellbaren Möglichkeiten des Handelns zu betrachten - und solche Möglichkeiten auch szenisch zu vergegenwärtigen und sprachlich darzustellen. (Also keineswegs nur zu beschreiben, sondern die Erfahrung zu machen, dass trägt, was man sich da gerade ausdenkt.)

Bei der empirischen Unterrichtsforschung spielen Videoanalysen seit Jahren eine besondere Rolle; Analysen, die man über eine gewisse Zeit hin durchführt (und wiederholt), um Veränderungen und Entwicklungen der (interaktiven) Unterrichtsqualität feststellen zu können. Die medien- und computertechnischen Werkzeuge der Videographie eröffnen ohne Frage neue Wege der Dokumentation, Analyse und Interpretation von Unterrichtsprozessen. Vorausgesetzt, es handelt sich um Codierungs-, Transkriptions- und Deskriptionsverfahren, die von (interaktions)theoretisch, (fach)didaktisch und (unterrichts)wissenschaftlich geschulten (teilnehmenden) Beobachtern entwickelt, angewendet und durchdacht werden.

Was das heißt? Dies. Die Analytiker und Diagnostiker des Unterrichtsgeschehens müßten vertraut sein mit Techniken, Methoden, Konzepten und Theorien der Wahrnehmung, Beobachtung, Beschreibung, Beurteilung und Bewertung des Redens, Handelns, Lernens und Wissens in didaktischen Situationen. Sie müßten inhaltliche wie methodische Standards der (Unterrichts)Analyse kennen. Sie müßten insbesondere vertraut sein mit den fachlichen, den kerncurricularen Bildungsstandards, die nicht zuletzt dann heranzuziehen sind, wenn um es die so genannte Unterrichtsqualität geht.